Document: Fonds in Dubai - Erst geglitzert, dann gekracht

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In Dubai wurde gebaut - immer größer, teurer, verrückter. Dann ging alles schief, die Krise brachte die Glitzerstruktur zum Einsturz, Tausende Anleger erlitten schwere Verluste. In der juristischen Aufarbeitung nach dem Debakel haben Kläger nun erste Erfolge errungen.

Es ist erst ein paar Jahre her, da war Dubai ein Traum. Ein kitschiger, glitzernder Traum zwar, aber einer, der Menschen überall auf der Welt ans große Geld glauben ließ. Für das kleine Emirat Dubai schien es keine Grenzen zu geben: Die offiziellen Zahlen wiesen atemraubende Wachstumsraten aus, und es wurde gebaut: immer größer, immer teurer, immer verrückter.

Das erste Sieben-Sterne-Hotel der Welt stand in Dubai, das höchste Gebäude sowieso. Für das Projekt "The Palm" wurden Milliarden Tonnen Sand ins Meer geschüttet, um direkt vor Dubais Küste Privatinseln für die Superreichen zu errichten. Der Boom lockte immer neue Investoren an, auch private Anleger aus Deutschland. Und mal ehrlich, was sollte da schon schiefgehen?

Alles ging schief. Die Krise brachte Dubais Glitzerkonstrukt zum Einsturz. Plötzlich standen die Baukräne still, das Emirat entging nur mit Hilfe des reichen Nachbarn Abu Dhabi der Pleite - und viele tausend Anleger, die ihr Geld in den Dubai-Boom gesteckt hatten, erlitten schwere Verluste.

So wie etwa jene gut 8000 Privatanleger aus Deutschland, die ihr Geld der Fondsgesellschaft Alternative Capital Invest (ACI) anvertraut hatten. ACI hatte mehrere Fonds aufgelegt, die Hochhäuser in Dubai realisieren sollten. Sportstars wie Boris Becker, Michael Schumacher und Niki Lauda agierten als prominente Aushängeschilder für ACI. Doch von den "Niki Lauda Twin Towers" sollte es nicht viel mehr zu sehen geben als ein riesiges Loch irgendwo im Wüstensand. Ein Desaster.

Unzählige Prozesse waren die Folge und, kurz zusammengefasst, bislang sah es nicht gut aus für die enttäuschten Anleger. Denn ein Großteil der Dubai-Investments wurden als Anlage in geschlossene Fonds getätigt - eine unternehmerische Beteiligung, die das Risiko eines Totalverlusts grundsätzlich miteinschließt. Jetzt allerdings gibt es Hoffnung zumindest für einen Teil der Investoren: Das Oberlandesgericht Hamm erkannte in sechs Fällen Fehler im Fondsprospekt und sprach den betroffenen Anlegern Schadenersatz zu.

Mehrere Dubai-Fonds sind insolvent

"Das Blatt hat sich zugunsten der Anleger gewendet", sagt der Siegburger Rechtsanwalt Mathias Corzelius, der nach eigenen Angaben mehrere hundert geschädigter Privatanleger vertritt. Er rechne in den nächsten Wochen mit weiteren Urteilen, die den Anlegern recht geben, sagt Corzelius. Die Richter in Hamm monierten unter anderem, dass die Anleger im Prospekt des ACI-Fonds VII nicht korrekt über den voraussichtlichen Bedarf an Fremdkapital aufgeklärt wurden.

Zudem wäre von vermeintlichen Gewinnen durch Vorgänger-Fonds in Höhe von 6,6 Millionen Euro die Rede gewesen, auch das sei nicht korrekt gewesen. Dazu komme, dass Genussrechtsverträge und die damit verbundene Gewinndeckelung für die Anleger nicht ausreichend dargestellt wurden, befanden die Richter. "Für diese Fehler können die Anleger die Prospektverantwortlichen dieses ACI-Fonds zur Rechenschaft ziehen", sagt der Anlegeranwalt. Insgesamt 200 000 Euro sollen die fünf Prospektverantwortlichen rund um den ehemaligen ACI-Chef Hans Uwe Lohmann an die Anleger zahlen, das ist das Ergebnis dieser jüngsten sechs Urteile.

Ob und wie viel Geld bei den Verurteilten allerdings tatsächlich zu holen ist, bleibt unklar. Mehrere Dubai-Fonds sind insolvent, zwei sollen ohne Insolvenzverfahren aus dem Handelsregister gelöscht worden sei, so stellt es die Klägerseite dar. Der Anwalt des nun verurteilten ACI-Chefs Lohmann wollte sich nicht äußern.

Lohmann musste auch in einem anderen Verfahren eine Niederlage hinnehmen: Das Landgericht Dortmund gab Klägern recht, die in den ACI-Fonds VI investiert hatten. Auch da befanden die Richter, die Informationen im Fondsprospekt seien fehlerhaft. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt außerdem gegen Lohmann wegen des Verdachts der Veruntreuung in mehreren Fällen.

Quelle: Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 29.01.2014 (SZ vom 29.01.2014/sana)